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Warum „Ja, wenn“ besser als „nein, weil“ ist! [Großes Denken 8]

In dieser Episode von Großes Denken geht es um eine sprachliche Technik, die von Walt Disney stammen soll. Ersetze einfach das „Nein, weil“ durch ein „Ja, wenn“. Warum das besser ist? Hör mal rein …

In diesem Kapitel geht es um einen sprachlichen Trick, wie man als Führungskraft, als Unternehmer, als Vater oder Mutter bzw. als mit Menschen Verbundener bessere Antworten geben kann. Es geht dabei um eine Methode, die Walt Disney zugeschrieben wird. Leider kann ich Walt nicht mehr über mein Mickey-Maus-Telefon anrufen und fragen, ob er das wirklich so gemacht hat. Egal. Die grundsätzliche Idee dahinter ist gut.

 

Gehen wir davon aus, dass die Geschichte stimmt. Walt Disney hat wohl nie auf eine Frage mit „No, because …“ geantwortet, also mit „Nein, weil …“, sondern er soll immer mit „Yes, if …“ geantwortet haben, also mit: „Ja, wenn …“.

 

Das können wir einmal durchspielen: Du kannst als Arbeitnehmer bspw. zu deinem Chef gehen und ihn fragen: „Kann ich mehr Gehalt haben?“ und der Chef antwortet: „Nein, weil es der Firma gerade nicht gut geht.“ Oder: „Nein, weil Sie einfach nicht gut genug sind.“ Oder „Nein.“ Punkt.

 

Das ist natürlich grundsätzlich sein gutes Recht als Arbeitgeber oder als Vorgesetzter, aber sonderlich konstruktiv ist es nicht. Und da greift die Methodik von Walt Disney, die sagt: Versuche immer mit einem „Ja, wenn“-Satz zu antworten. Nochmal die Frage: „Kann ich mehr Gehalt haben?“ Und die Antwort: „Ja, wenn Sie es schaffen, weniger Zeit in der Kaffeeküche und mehr am Telefon mit Kunden zu verbringen.“ Oder: „Ja, wenn Sie es schaffen, den Kundenschwund in Ihrem Bereich endlich zu stoppen.“

 

Das Gleiche funktioniert nicht nur in dieser Perspektive von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer oder als Führungskraft, sondern auch in meiner Selbstführung als Unternehmer. Ich kann mich z. B. fragen: „Die Geschäfte in Deutschland laufen super – kann ich vielleicht auch in Holland gute Geschäfte machen?“ Mein erster Gedanke ist vielleicht: „Nein, ich kann kein Holländisch.“ Auch hier geht es wieder darum, eine andere Antwort daraus zu machen, nämlich eine „Ja, wenn“-Antwort: „Ja, wenn ich es schaffe, mir Grundzüge der Sprache anzueignen, und wenn ich es schaffe, einen guten Partner vor Ort zu finden.“

 

Hier steckt etwas drin, das die Mathematiker als eine notwendige und eine hinreichende Bedingung, damit etwas passieren kann, bezeichnen. Es muss also einen klaren Entwicklungspfad geben, einen klaren Weg zum Ziel oder eine, mathematisch bezeichnet, Vorbedingung. Also: Wenn das passiert, dann kann auch das andere möglich sein.

 

Man könnte jetzt sagen, das ist nur ein sprachlicher Trick. Aber er macht eine schöne Sache: Er verschiebt die Verantwortung erstmal auf dich. Er bringt dich ins Handeln. Was kannst du tun, um an das Ziel zu kommen? Nicht dein Chef, sondern es muss eine Sache sein, die in dir begründet ist. Natürlich kann es auch sein, dass du diese Bedingung gar nicht erfüllen kannst. Grundzüge einer Sprache zu erlernen ist für dich vielleicht schwierig, weil du nicht sprachbegabt bist oder weil du nicht motiviert bist. Das ist auch okay! Nicht alle Ziele sind erreichbar oder sinnvoll. Aber zumindest weißt du dann, dass du das nicht hinbekommst. Dann kannst du dir vielleicht andere Ziele stecken.

 

Nimm diese Idee einmal mit, wenn du vielleicht Führungskraft bist: Ein Mitarbeiter kommt zu dir und fragt: „Kann ich mehr Geld haben?“ Oder: „Hey, sollen wir nicht zukünftig in Aserbaidschan Geschäfte machen?“ Und dann antworte eben nicht mit „Nein, machen wir nicht“, sondern mit „Ja, das können wir machen, WENN Folgendes passiert …“

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Kommentare: 1
  • #1

    juergen (Mittwoch, 02 Juni 2021 16:48)

    Ein sehr guter Ansatz, bei dem mir auch die Vorstellung gefällt, dass es von Walt Disney stammt.