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Reichtum und Erfolg: Wonach strebst Du? [Großes Denken 7]

Viele Menschen streben nach Reichtum und Erfolg. Aber was verbirgt sich wirklich dahinter? Ist dieses Ziel für Dich überhaupt erreichbar und erstrebenswert?

In dieser Episode geht es um die Begriffe Reichtum und Erfolg. Wikipedia sagt hierzu: „Um Erfolg handelt es sich, wenn Personen oder Personenvereinigungen die gesetzten Ziele erreichen.“ Das kann vieles sein. In den sozialen Netzwerken sehe ich immer viel Werbung, in der Erfolg oft mit finanziellem Reichtum gleichgesetzt wird. Wenn man dort die typischen Schnell-und-hektisch-reich-Leute betrachtet, sieht man die Leute vor Privatjets, vor teuren Villen, in teuren Autos mit tollen Frauen, mit tollen Kerlen an tollen Destinationen, an denen sie Urlaub machen und so weiter. Vieles davon ist die Manifestierung von Erfolg. Oft, wie gesagt, geht es hier um Geld.

 

Ich glaube, dass finanzieller Reichtum und Geld hohle Ziele sind. Natürlich bin ich selbst Unternehmer. Aber ich sehe Geld nicht als das primäre Ziel. Es gibt diesen schönen Satz: „Das, was du besitzt, besitzt auch dich.“ Natürlich kann ich so viel Geld haben, dass ich mir drei Jets und vier Villen kaufen kann. Das schafft aber auch wieder neue Sorgen. Und macht mich das eigentlich wirklich glücklich?

 

Stellt euch mal die Frage: Wie bin ich denn, wenn ich das erreicht habe? Angenommen, ich habe finanziellen Reichtum. Ich habe 10 Millionen, 50 Millionen – was auch immer – auf dem Konto liegen oder in Golddublonen im Keller versteckt. Wie gut ist das? Wie fühle ich mich dann? Und natürlich die Frage: Ist es wirklich das, was mir fehlt? Ist die Villa in St. Tropez wirklich das, was mir fehlt? Und warum fehlt mir das eigentlich?

 

In Gesprächen mit Unternehmern, Gründern etc. erlebe ich oft, dass das Glück auf morgen verschoben wird: „Wenn ich dies geschafft und jenes erreicht habe, dann wird es besser.“ Ich halte das für eine große Selbstlüge und auch nicht für eine sinnvolle Lüge. Selbst wenn es so wäre, ist es nicht sinnvoll, seinen Erfolg auf „in zwanzig Jahren“ zu verschieben. Das funktioniert nicht. Durch meine Erfahrung als Zivildienstleistender, in der ich mich um ältere Leute gekümmert habe, habe ich ein paar Fälle erlebt, wo diese Strategie einfach nicht aufgegangen ist. Früher hieß es: „Jetzt haue ich rein und wenn ich dann Rentner bin, dann wird alles gut.“ Funktioniert nicht. Oder ja, es kann funktionieren, aber es kann auch nicht funktionieren. Deswegen muss es, meiner Meinung nach, das große Ziel sein, heute glücklich zu sein. Und nicht: „Wenn ich das geschafft habe, wenn ich die ganze Kohle erstmal habe …“

 

Die andere Frage ist erstmal die Erreichbarkeit der Ziele. Wenn ich dies und jenes erreicht habe, 10 Millionen, 50 Millionen usw., ist dann wirklich Schluss? Oder brauche ich dann noch mehr davon? Also: Kann ich dieses Ziel eigentlich wirklich erreichen? Ich selbst habe dieses fürchterliche Unternehmer-Gen: Ich ertappe mich immer dabei, dass ich sage, wenn in dem einen Jahr hundert Tickets verkauft wurden, dann will ich im nächsten Jahr 200 Tickets verkaufen. Ich könnte nie sagen: „Wenn das hier geschafft ist, dann …“ Ich weiß für mich, ich ticke so, ich muss immer eine Schippe drauflegen, ich muss immer noch einen Schritt weiterkommen, ich muss immer noch was Neues machen. Und deshalb könnte ich nie sagen, was dieses eine Ziel ist, was der Moment ist, an dem ich glücklich bin. Auch hier wieder mal: Ich möchte heute glücklich sein mit dem, was ich mache. Und nicht erst, wenn ich das Ziel erreicht habe. Denn dann muss ich sagen, mein Ziel kann ich gar nicht erreichen. Ich hoffe, dass ich bis an das Ende meines physischen Lebens immer noch einen drauflegen möchte.

 

Und dann gibt es noch den Aspekt des Tradens, also des Handelns. Denn alles, was ich mache, kostet etwas. Es kostet Zeit oder Geld. Was muss ich eigentlich traden, um meine Ziele zu erreichen? Ist es mir das überhaupt wert? Bin ich bereit, den Preis für diese Ziele zu bezahlen? Und jetzt, wo ich selbst schon in der zweiten Lebenshälfte bin, zumindest statistisch gesehen, habe ich mit vielen Leuten ähnlichen Alters gesprochen, die z. B. gesagt haben: „Ich hatte zu wenig Zeit für meine Kinder. Ich habe zu viel gearbeitet. Ich habe die Einschulung nicht mitbekommen.“ Mein Vater war zum Beispiel auch nicht bei meiner Einschulung. Wahrscheinlich war das früher einfach so. Aber heute läuft das Ganze halt anders und ich glaube, es ist ein guter Weg, auf dem wir hier sind.

 

Alles, was ich mache, hat seinen Preis. Ich kann mehr Geld verdienen, aber in der Regel muss ich dann auch mehr investieren. In der Regel ist dies Zeit. Natürlich gibt es viele Ratgeber – und viele davon sind auch wirklich gut –, die sagen: Du kannst auch mit vier Stunden in der Woche oder am Tag auch wahnsinnig viel erreichen. Das stimmt zwar, aber eben leider nicht für alle Branchen und auch nicht für alle Arten von Menschen und auch nicht für alle Arbeiten. Es ist eine gute Idee. Und darüber nachzudenken ist sinnvoll, aber es funktioniert nicht immer.

 

Ich habe noch einen Aspekt mitgebracht, nämlich die Frage der Zielgruppe. Für wen strebe ich eigentlich nach diesem „Erfolg“? Mache ich das für mich, also ist es intrinsisch motiviert? Bin ich glücklich, wenn ich Erfolg habe? Oder ist es eher nach außen gerichtet, ist mir wichtig, bspw. die Anerkennung anderer Leute zu haben, dass andere wahrnehmen, wenn ich finanziell reich bin? Ich habe kein Privatfernsehen, kenne aber dennoch Serien wie „Die Geissens“. Das ist jedoch nicht das, wo ich hin möchte, weil das in meinen Augen eher nach außen gerichtet ist. Innerer Reichtum ist in meinen Augen viel mehr wert.

 

Und dann vielleicht noch der letzte Aspekt: Da geht es um die Frage, ob du neue Wege gehen möchtest. Ihr kennt diese Sparkassenkampagne: „Mein Haus, mein Pferd, mein Boot“, wo Leute darum kämpfen, sich gegenseitig mit Besitz auszustechen. Aber die Frage ist ja: Muss ich klassischen Erfolg haben? Letztens habe ich in einem Podcast mit Barbara Schöneberger gehört, dass sie es unglaublich findet, wie unkreativ viele Leute mit Reichtum umgehen, also sich einfach nur dicke Autos und dicke Uhren etc. kaufen. Das mag ja ein gewisses gesellschaftliches Leitbild sein. Auch weil es so einfach ist, daran Erfolg zu messen. Aber: Musst du diesen Weg gehen? Musst du reich sein, um Erfolg zu haben? Oder wie könntest du Erfolg anders definieren? Kannst du Erfolg so definieren, dass du jeden Abend mit deiner Familie zu Abend isst, ohne das Gefühl zu haben, dass du, wenn du das nicht tun würdest, erfolgreicher sein könntest? In der Regel ist das so: Wenn du mehr Stunden arbeitest, kannst du auch mehr hinbekommen. Aber nochmal die Frage: Willst du das eigentlich?

 

Oder, wie gesagt, siehst du Reichtum als eine ganz andere Sache an, die nichts mit Geld zu tun hat? Ich muss natürlich immer sagen: Geld ist gut. Ich erfreue mich an meinem Bankkonto, ich habe keine finanziellen Sorgen. Ich kann zwar kein Speedboot oder ein Riesenhaus auf Mallorca kaufen, aber ich würde mich trotzdem als reich definieren. Aber es ist eben eher ein innerer als ein äußerer Reichtum. Ich lebe in einem ganz normalen Wohngebiet, wo auch ganz normale Menschen leben und bin hier total glücklich und zufrieden. Und trotzdem würde ich sagen, dass ich reich bin, dass ich Erfolg habe, obwohl ich kein Haus auf Mallorca, keine Yacht, kein dickes Auto habe.

 

Wie bei so vielem, so ist es auch hier: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Ich möchte auch nicht werten. Ich habe nur manchmal das Gefühl, auch aus der Erfahrung der letzten fast 30 Jahre, die ich unternehmerisch tätig bin: Viele denken einfach nicht darüber nach. Und dann greift man in die Schublade und zieht das Standardparadigma für Reichtum und Erfolg heraus und sagt: „Wenn ich den Ferrari habe, dann ist es gut.“ Das ist der einfache Weg.

 

Über solche Themen denke ich selbst auch viel nach. Auch ich muss mich jedes Jahr neu justieren, um zu schauen: Ist das, was ich da gerade mache, gut? Bin ich damit zufrieden und macht es mich glücklich? Denn natürlich hat der Tag nur 24 Stunden und im Grunde ist alles begrenzt. Daher muss ich immer überlegen: Was will ich? Aber ich sollte mich immer wieder fragen: Was ist mein Paradigma für Erfolg und Reichtum?

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