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Wissen, Glauben, Meinung – und warum das nicht dasselbe ist! [Großes Denken 6]

Die drei Begriffe Wissen, Glauben und Meinung drücken ganz unterschiedliche Aspekte aus – und werden doch oft gedanklich in einen Topf geworfen. Warum ist das nicht gut? Und warum sollten wir das stärker trennen?

Dieses Thema kommt ein bisschen philosophisch daher. Es geht um die drei Begriffe Wissen, Glaube und Meinung. Diese drei möchte ich erst einmal genauer unter die Lupe nehmen.

 

Wissen hat oft etwas mit Bildung zu tun, aber auch mit Kenntnissen, primär aber mit Fakten, mit den Begriffen Wahrheit und Gültigkeit. Man kann etwas entweder beweisen oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass etwas richtig ist. Das betrifft vor allem naturwissenschaftliche Themen. 2+2=4. Ich weiß, wie weit der Mond von der Erde entfernt ist.

 

Zum Begriff Glaube heißt es auf Wikipedia: „Der Glaube ist eine Grundhaltung des Vertrauens, vor allem im Kontext religiöser Überzeugungen.“ Es gibt hier also kein gesichertes Wissen. Es gibt keine Möglichkeit im Rahmen des Glaubens, Faktenwissen zu erzeugen. Klassisch sprechen wir hier natürlich auch über die Religion. Das heißt: Ich kann nicht beweisen, dass es Gott gibt. Ich kann aber auch nicht beweisen, dass es Gott nicht gibt. Das ist Glaube.

 

Wenn wir die Religion mal verlassen, kann ich auch glauben, dass dieser neue Job für mich richtig ist. Aber wissen kann ich es nicht. Wissen kann ich es erst, wenn ich diesen Job angetreten habe. Rein theoretisch kann ich es erst wissen, wenn ich mich abspalten oder klonen könnte und der eine diesen Job und der andere einen anderen macht. Dann könnte ich sagen: Dieser Job war wirklich richtig im Vergleich zu den anderen Jobs, die ich hätte annehmen können.

 

Beim Begriff Meinung geht es vor allem um die persönliche Meinung. Wikipedia spricht hier von „von individuellen Wertvorstellungen, von Geschmack und/oder Gefühlen geprägte Einstellung eines Menschen“. Das ist eine Meinung.

 

Im Deutschen haben wir hier drei verschiedene Wörter: Wissen, Glaube, Meinung. In manchen Sprachen, z. B. im Englischen, sind übrigens Glaube und Meinung das Gleiche. Das Wort „belief“ meint sowohl Glaube als auch Meinung.

 

In den sozialen Netzwerken kommunizieren wir oft so, als wären Meinung und Glaube Wissen. Als wäre das wahr, was wir sagen. Oft ist das aber nicht so. Ich finde, das sollten wir mehr offenlegen, indem wir bspw. sagen: „Ich glaube, dass …“ oder „Meine Meinung ist …“, um klarer zu machen, worum es hier eigentlich geht. Es geht nicht um Wissen. „Die in Berlin sind doch alle Vollidioten!“. Nein: „Ich glaube, dass die in Berlin alle Vollidioten sind.“ Das ist inhaltlich natürlich nicht richtig, darüber spreche ich an späterer Stelle noch.

 

Wir sollten immer bestrebt sein, Meinung und Glaube durch Wissen zu untermauern bzw. sie in Wissen zu verwandeln. Also Faktenwissen zu sammeln, wo es Faktenwissen gibt. Studien, Analysen etc. Nicht immer ist Faktenwissen verfügbar. Was Homöopathie angeht zum Beispiel, gibt es meines Wissens derzeit keine überzeugende Doppelblindstudie, die den Erfolg von Homöopathie belegt. Folgerichtig ist es kein Wissen, sondern Glaube. Es kann aber auch eine Meinung sein. Das heißt nicht, dass es eine solche Studie in der Zukunft nicht geben kann. Meiner persönlichen Meinung nach sollte man genau darauf hinarbeiten.

 

Ich finde es auch wichtig, dass wir zugeben, wenn uns Wissen fehlt. Das ist natürlich schwer vorstellbar, wenn ich mir z. B. ein typisches Stammtischgespräch vor Augen hole, bei dem ich auf eine provokante Aussage antworte: „Dazu kann ich mich nicht äußern, weil mir entsprechendes Wissen fehlt.“ Das ist mit Sicherheit die richtige Antwort, an einem Stammtisch aber unrealistisch. Da wird eher rumgepoltert: „Die da in Berlin …!“, „Meinem Chef bin ich völlig egal!“, „Die D-Mark war viel mehr wert als der Euro!“ und „Früher war sowieso alles besser!“

 

Neulich bin ich übrigens auf eine Sendung gestoßen, in der gesagt wurde: Nein, früher war nicht alles besser! Wir hatten noch nie eine so lange Zeit Frieden. Wir hatten noch nie eine so saubere Luft – zum Beispiel in Hinblick auf das Ruhrgebiet der 50er- und 60er-Jahre. Auch die 40-Stunden-Woche hatten wir nicht immer, die 5-Tage-Woche auch nicht. Sinnvoller ist also eine differenziertere Sichtweise: Ja, ein paar Dinge waren früher besser. Aber das meiste eben nicht. Oft kann man die Zeiten auch gar nicht miteinander vergleichen.

 

In Deutschland haben wir zum Glück Glaubensfreiheit und Meinungsfreiheit. Ich darf alles glauben, darf meine Meinung frei äußern. Das stimmt nicht ganz, es gibt ein paar Einschränkungen, in meinen Augen allerdings auch völlig zu Recht. Ich darf natürlich nicht den Holocaust leugnen. Ich darf nicht Beliebiges über andere Menschen verbreiten. Faktisch haben wir Meinungsfreiheit. Das, was ein „normaler“, intelligenter Mensch so meinen kann, das darf ich auch frei meinen.

 

Wichtig ist mir: Meinungsfreiheit ist das Eine, daraus resultiert aber keine Pflicht, die Meinung auch zu äußern. Man muss nicht zu jedem seinen Senf dazugeben. Wenn es vor allem auch nicht dienlich ist, kann man auch mal den Mund halten oder man darf auch einfach mal länger darüber nachdenken. Man darf auch sagen: „Nein, das glaube ich so nicht, ich muss mich da aber noch ein bisschen mit beschäftigen.“ Wie ich beim Stammtischbeispiel schon angedeutet habe: Ich glaube nicht, dass das so gut ankommt. Aber die Frage ist ja: Kann ich mir in die Augen sehen? Glaube ich, dass ich richtig agiere? Bei so manchem Thema, in das ich mich in der Vergangenheit eingelesen habe, war es auch sehr lohnend, irgendwann aus Glaube Wissen zu machen.

 

Ich wünsche euch, dass ihr das zum einen nun besser differenzieren könnt und dass ihr aber auch, soweit möglich, Glaube und Meinung durch Wissen ersetzt.

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