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Warum man das „man“ streichen sollte! [Großes Denken 2]

 

Man sollte, man könnte, man hätte – gerade in Kombination mit dem Konjunktiv ist das Wort „man“ ein schwieriges Wort. Wann solltest Du das „man“ nutzen – und wann aus Deiner Sprache streichen? Und wie geht es besser?

 

 „Man“ ist in meinen Augen ein ganz schlimmes Wort, das im Deutschen sehr oft verwendet wird. Ich muss zugeben, dieses Wort gibt es in anderen Sprachen auch. Im Englischen kann man z. B. sagen: „One could argue …“, also: „Man könnte argumentieren …“ Aber das ist nicht ansatzweise so verbreitet wie im Deutschen. Im Deutschen ist es extrem beliebt, sich hinter „man“ zu verstecken.

 

Heute soll es um die Frage gehen: Wann ist „man“ eigentlich gut und wann eher schlecht? Schlecht finde ich es in dem Augenblick, wo man (!) Sätze sagt wie: „Ach, da steht man aber voll neben sich!“ oder „Das steckt man nicht so leicht weg.“ Da frage ich mich dann immer: Über wen spricht diese Person eigentlich? Meistens ist das ja so gemeint, dass man über sich selbst spricht wie eine Art dissoziativer Handlung, wie ein Schutzschild, den ich um mich herum ziehe. Irgendjemand hat das gesagt, aber auf keinen Fall ich, sonst hätte ich ja „ich“ gesagt.

 

Die Personalpronomina „ich, du, er, sie, es wir, ihr, sie“ haben alle den Vorteil, dass ich mit dem Finger auf jemanden zeigen kann. Bei „ich“ zeige ich auf mich, bei „du“ kann ich auf den Peter oder die Petra zeigen etc. Ich mache das, du machst das und so weiter. Aber bei „man“ kann nicht mit dem Finger auf jemanden gezeigt werden. „Man“ ist eine graue, breite Masse. Das könnten alle Deutschen sein, aber auch alle Menschen auf dem Planeten, und 7 Milliarden Menschen – das ist schon eine ganz schön große Masse, über die man da auf einmal spricht.

 

Es ist natürlich nicht nur das „man“. Im Deutschen gibt es noch einige andere Konstrukte wie „da wird einem ja angst und bange“. Einem, aber nicht mir. Das ist ja ganz anders gemeint. Aber am stärksten verbreitet ist sicherlich das „man“.

 

Es gibt Situationen, da ist das „man“ durchaus gerechtfertigt, zum Beispiel wenn es um allgemeine Regeln geht. Man sollte sich dreimal am Tag die Hände waschen. Man sollte fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag essen. Das gilt für die besagte graue breite Masse. Aber wenn ich über mich spreche, über meine Ziele, über meine Wünsche, meine Gefühle, das gibt es kein „man“. Das ist etwas, dass „einem“ gar nicht mehr auffällt. Das nutzt „man“ oft so.

 

Mein Tipp an euch: Achtet mal darauf. Wenn es eine allgemeine Regel ist, dann ist das „man“ eine tolle Konstruktion. Aber wenn es um mich geht, dann hat das „man“ definitiv keine Existenzberechtigung mehr.

 

Noch schlimmer macht man das „man“, wenn man es auch noch kombiniert, nämlich mit „könnte“ oder „sollte“. Man könnte ja mal wieder nach Holland fahren. Okay. Wer denn jetzt? Wollen wir das jetzt wirklich? Ist mir das wichtig? Davon habe ich doch gar nichts gesagt. Manchmal passiert so etwas auch in unserer Familie. Da geht es dann darum, eine Idee in die Familie hineinzuwerfen und zu sehen, was so zurückkommt. Oft ist das Echo dann etwas mau.

 

Wie könnte man das anders machen? Vielleicht mit einer aktiven Frage: Wie fändet ihr es, wenn wir mal wieder nach Holland fahren würden? Oder noch besser mit einer Ich-Botschaft: Ich fände es gut, wenn wir mal wieder nach Holland fahren. Am besten so: Wer kommt nächste Woche mit nach Holland?

 

Achtet also mal darauf und schärft euer Radar: Immer, wenn euch das Wort „man“ oder „einem“ rausrutscht, dann schreckt ihr auf … Wenn es um euch geht, gibt es kein „man“, sondern nur ein „ich“ oder „wir“, denn genau darum geht es eben wirklich.

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